Erscheinungsdatum: 04.01.2021 12:41:52

Landesbischof Meyns fordert Bescheidenheit der Kirche

Landesbischof Christoph Meyns (epd-bild / Susanne Hübner)
 
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und rückläufiger Einnahmen der Kirchen hat der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns grundlegende Veränderungen angekündigt.

epd-Gespräch: Charlotte Morgenthal

Braunschweig (epd). Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und rückläufiger Einnahmen der Kirchen hat der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns grundlegende Veränderungen angekündigt. "So wie bisher können wir nicht weitermachen", sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Man müsse genau überlegen, wo und wie die Kirche in zehn Jahren noch präsent sein könne und wo nicht. "Wir müssen bescheidener werden."

So müsse die Rolle von Pfarrern überdacht werden, sagte Meyns. "Es wird einen Fachkräftemangel geben, den wir nur begrenzt ausgleichen können." Eine Überlegung sei es, die Pfarrer von Verwaltungsaufgaben zu entlasten oder bestimmte Aufgaben an andere Berufsgruppen zu delegieren. Eines der wichtigsten Ziele sei dabei, dass sowohl haupt- als auch ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter nicht in eine "Dauerüberforderung" gerieten.

Auch durch eine noch so gute Arbeit könne die Kirche sinkende Mitgliederzahlen nicht stoppen, räumte Meyns ein. Religion sei stark in der Familie verankert und werde dort über Generationen weitergegeben. Wenn in den Häusern nicht mehr gebetet werde und Kindern keine biblischen Geschichten vermittelt würden, fehlten Voraussetzungen, die die Kirchen selbst nicht schaffen könnten.

Kirchenparlament startet Zukunftsprozess

Bei allen Veränderungen rief Meyns dazu auf, gelassen und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. "Wir werden kleiner werden, aber das heißt ja nicht, dass wir weniger lebendig sind und wir nicht auch eine Relevanz haben."

Die braunschweigische Landeskirche rechnet eigenen Angaben zufolge von 2017 bis 2030 mit einem Rückgang der Mitglieder und einem Absinken der Kirchensteuer um jeweils 25 Prozent. Im November startete das Kirchenparlament einen sogenannten Zukunftsprozess. Bis zum Sommer soll es einen breit angelegten Beteiligungsprozess geben. Ziele und Projekte zur Umsetzung sollen der Synode zur Beratung und Beschlussfassung im November 2021 vorgelegt werden.

Meyns sagte, Schwerpunkte blieben die Kinder- und Jugendarbeit ebenso wie die Vernetzung von Kirche und Diakonie. Die Kirchenmusik und Angebote der Seelsorge seien weiterhin wichtig. Auch die digitale und mediale Kommunikation solle ausgebaut werden. Kritisch überprüft werden müssten die rund 1.400 Gebäude. "Wir werden ein Viertel unserer Gebäude verkaufen, umnutzen oder mit anderen nutzen müssen."

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